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7 Berufe, die auch in der Zukunft gefragt sein werden

Daniela Hoffmann
Prof. Dr. Bernd Jörs vom Fachbereich Medien der Hochschule Darmstadt

Prof. Dr. Bernd Jörs vom Fachbereich Medien der Hochschule Darmstadt

„Die technologische und methodische Geschwindigkeit, mit der Studenten heute konfrontiert sind, fordert ein ganz klares Ausbildungsprofil“, sagt Prof. Dr. Bernd Jörs vom Fachbereich Medien der Hochschule Darmstadt. Doch gerade daran hapere es noch. „Die ganze Branche leidet darunter: Es ist die Bringschuld der Hochschulen, zu sagen, was hinter den neuen Job-Bezeichnungen steckt“, so Jörs, der vom Studenten-Magazin Unicum mehrfach zum Professor des Jahres gewählt wurde. Die Frage für Unternehmen sei vor allem, welche wissenschaftlichen Methoden ein Absolvent wirklich gelernt habe.

Den eigenen Job erfinden

„Entwerfe deinen eigenen Abschluss. Mach alle Kurse, die dich so motivieren, dass du morgens, nachmittags oder wann auch immer dafür aus dem Bett springst – weil dein Beruf vermutlich erst in einigen Jahren existieren wird“, rät die Psychologin und Harvard-Absolventin Martha Beck in ihrem Buch „Finding your way in a wild new world“. Nicht nur Beck hat erkannt, dass Sinnhaftigkeit und die eigene Berufung eine zunehmend wichtige Rolle dabei spielen, einen Job zu erlernen, der neben einer Karriere auch Erfüllung verspricht. Auch Bernd Jörs motiviert seine Studenten dazu: „Wer die Jobs der Zukunft kennt, kann Millionär werden“.

Die Jobs der Zukunft müssen erst „erfunden“ werden und hierfür sind breite Qualifikationsprofile nötig, um mit dem schnellen Fortschreiten der Technik mithalten zu können. Derzeit nimmt die Entstehung neuer Ausbildungsberufe und Studiengänge zu viel Zeit in Anspruch. Über den sogenannten „Kaufmann für E-Commerce“ wird schon seit 2012 diskutiert, bis dieser Beruf angeboten werden kann, müssen zunächst Didaktiker ausgebildet werden, die diesen Beruf lehren können. Jörs fordert also: „Hochschulqualifikationsmodule müssen jährlich überarbeitet und angepasst werden, um das breite Spektrum an Anforderungen abdecken zu können. Nur dann ist die Hochschulwelt in der Lage, auf neu geforderte Jobprofile zu reagieren.“

Dem Professor an der Hochschule Darmstadt ist vor allem ein kritischer Ansatz und das Handwerkszeug wichtig, mit dem Studenten Software-Lösungen und Algorithmen hinterfragen und beurteilen können. „In Zeiten von Big Data, Vorhersagemärkten (Social Forecasting) und Schwarmintelligenz gibt es einen großen Vertrauensvorschuss: Keiner fragt, wie das gemacht wird. Hier ist die Fähigkeit, kritisch zu analysieren, besonders wichtig“, erklärt Jörs einen Punkt, der für viele der neuen Berufe essentiell sei.

Gesucht werden heute und künftig Leute, die Analysen in Online-Marketing und Social Media machen, Plattformen bauen, die Reichweite erhöhen. Gefragt sind auch Nachwuchskräfte, die über Online-Plattformen vermarkten können und Kenntnisse aus Informatik und Wirtschaft vereinen. Big Data und Industrie 4.0 kommen mit einem überbordenden Bedarf an Menschen mit analytischen Fähigkeiten daher, die in explodierenden Datenmengen navigieren können.

Qualifikationsprofil der Zukunft

Studiengänge, die Zukunftsberufe „erschaffen“, müssen laut Prof. Dr. Jörs Grundkenntnisse der digitalen Welt vermitteln (z.B. Informatik und Mathematik). Hierzu werden bessere und engagiertere Didaktiker benötigt, um die Studenten mit ihren Themen abzuholen und deren Interesse zu wecken. Des Weiteren spricht Jörs von einer Flut aus desinteressierten blinden Anwendern, die nicht die Fähigkeit besitzen, die im Studium gelernten Methoden kritisch zu hinterfragen. Hier liegt seiner Meinung nach auch die Aufgabe bei den Hochschulen und Universitäten, den Studenten durch ein breit gefächertes Modulangebot ein umfassendes Qualifikationsprofil zu ermöglichen.

„Ich frage Studenten als erstes, was sie Sinnvolles machen wollen: Zum Beispiel dabei helfen, Krankheiten früher zu erkennen, bessere Suchergebnisse zu finden oder Umweltentwicklungen vorherzusagen. Das zählt und ist wichtiger als Oberbegriffe wie Informatik oder Informationswissenschaften.“

Außerdem fordert Jörs Alleinstellungsmerkmale der verschiedenen Studiengänge zu veröffentlichen, denn nur dann können Personaler auch die konkreten Fähigkeiten der Absolventen korrekt beurteilen. Heute sind zukunftsträchtige Studiengänge noch zu unbekannt.

Trend- und Zukunftsforscher Sven Gabor Janszky

Trend- und Zukunftsforscher Sven Gabor Janszky

Der demografische Wandel sieht so aus, dass künftig praktisch jeder Mensch mit einer guten Ausbildung einen Job bekommen kann. Gerechnet wird je nach Statistik mit zwei bis fünf Millionen unbesetzbaren Jobs, in jedem Fall ein Problem für die deutsche Wirtschaft. Die Arbeitswelt wandelt sich, Langzeitjobs gehören der Vergangenheit an. 2025 sollen bis zu 40 Prozent der berufstätigen Bevölkerung in befristeten Verträgen arbeiten, prognostizierte Trend- und Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky. „Diese Menschen sind Projektarbeiter. Sie kennen keine 38-Stunden-Woche, keine geregelte Kaffee- und Mittagspause, keine Prämie oder Lohnsteigerung aufgrund langjähriger Betriebszugehörigkeit. Sie wechseln ihre Arbeitgeber oft und schnell und gehören zu jener Creative Class, nach der seit Richard Floridas Veröffentlichung ‚The Rise of the Creative Class‘ Politiker, Wirtschaftsförderer und Trendforscher suchen“, meint Jánszky. Daran müssen sich auch die Unternehmen messen. „Die Top-3-Entscheidungskriterien der künftigen Projektarbeiter für oder gegen ein Unternehmen lauten: Ist das Projekt eine persönliche Herausforderung? Hat das Projekt einen größeren Sinn für die Welt? Arbeite ich im Projekt mit exzellenten Menschen zusammen?“, so Jánszky.

Ein wesentlicher Treiber für die ungebrochene Nachfrage nach Fachkräften ist das Thema Industrie 4.0.

Industrie 4.0 mitgestalten

Die vierte industrielle Revolution wird neue Berufsbilder brauchen und hervorbringen. Die Vision: An der Produktion beteiligte Komponenten wie Maschinen, Lager und Logistik sollen künftig über Sensoren und Netzwerke selbständig miteinander kommunizieren, Produkte sich selbst durch ihren Produktionsprozess schleusen. Mit Maschinenbau, Automation und IT treffen hier drei unterschiedliche Technologien zusammen. Dabei ist vor allem ein interdisziplinärer Ausbildungshintergrund gefragt, bei dem sehr oft Informatik eine Schlüsselrolle spielt.

Zunehmend händeringend sucht der traditionelle Produktionsbereich auch nach Start-ups, die neue Ideen mitbringen. Bereiche, die sich besonders für Startups lohnen: Das Verbinden von Funktionen und Services, die übergreifende Integration von Geschäftspartnern, aber auch die Aggregation, Analyse und Anreicherung von Daten sowie die Erkundung neuer Mensch-Maschine-Schnittstellen.

Sieben Jobs der Zukunft, die heute schon gefragt sind

1) Data Scientist

Data Scientists sind im Bereich Business Intelligence angesiedelt. Ihr Job ist es, Big Data in „Big Value“ zu wandeln. „Sie sind verantwortlich für die Methodologie von Big Data-Analytik sowie die Kommunikation von analytischen Resultaten gegenüber dem Vorstand und dem gesamten Unternehmen“, erklärt Analyst Dr. Wolfgang Martin. Wichtige Voraussetzungen: Vorbildung in Natur- oder Ingenieurwissenschaft und die Fähigkeit, ein Problem in testbare Hypothesen aufzubrechen.

2) Data Steward

Data Stewards sorgen für das Informationsmanagement der Unternehmens- und Fachabteilungsdaten im Hinblick auf die Governance- und Compliance-Vorgaben. “Erfolgreiche und effiziente Data Stewards halten sich im Business auf, sind sichtbar, respektiert und einflussreich – sie müssen die Wichtigkeit der Datenqualität für die übergeordneten Geschäftsziele verstehen“, sagt Ted Friedman von Gartner.

3) Manager Online-Marketing

Dass sich die Anforderungen an das Marketing in einem Online-Business erheblich vom traditionellen Geschäft unterscheiden, bekommen E-Commerce-Unternehmen regelmäßig zu spüren. Multichannel-Marketing, Loyalty-Programme, Couponing, Hunting und Farming, Trademarketing oder Affiliate Marketing – es gibt viele Kompetenzen, die für andere Branchen ein Buch mit sieben Siegeln sind. Nur wenige Hochschulen bieten entsprechende Studiengänge an, meist gilt es, das Personal selbst für die Aufgaben zu qualifizieren.

4) Search Engine Optimization Expert

Ja, mit den neuen Technologien kann ein Unternehmen praktisch jeden Menschen, der online ist, erreichen. Die Frage ist nur: Wie wird das Angebot zwischen Milliarden anderer Angebote gefunden. Suchmaschinen sind hier Dreh- und Angelpunkt, die Manipulation von Webseiten in Bezug auf die beste Auffindbarkeit mittlerweile eine Wissenschaft für sich, Stichwort Suchmaschinen-Marketing.

5) Manager Web Analytics/ Web Controlling

Web Analytics Manager haben die Schlüsselrolle bei der Gewinnung und Präsentation entscheidungsrelevanter Informationen aus Rohdaten, sie müssen Traffic- und Clickstream-Analysen beherrschen und das Nutzerverhalten auswerten. Das Web Controlling weist auf Optimierungsmöglichkeiten einer Website hin und liefert wichtige Kennzahlen zu Onlinemarketing-Maßnahmen.

6) Conversion Manager

Nicht immer werden aus Interessenten Kunden. Der stehen gelassene Warenkorb ist das Symptom, das Conversion Manager kurieren sollen. Dazu gehören das Monitoring von Kennzahlen, die Identifikation von Schwachstellen in Bereichen wie Auslieferung, Usability und Optik, Optimierungsmaßnahmen und das Controlling durchgeführter Maßnahmen.

7) 3D Druck-Experten

Mit den Möglichkeiten von 3D-Druck können neue Jobs entstehen, vor allem verändern sich aber bestehende Berufe und Ausbildungen. Erfinder, Spezialisten für druckbare Materialien, Entwickler von 3D-Modellen: Vor allem an der Schnittstelle zum Endkunden wird der Bedarf an professionellen 3D-Modellen für selbst entworfene Gegenstände zunehmen. Verfahrenstechnik-Ingenieure, Chemiker, Physiker, Maschinenbauer und Informatiker bekommen es beim Rapid Manufacturing mit neuen Herstellungsvarianten zu tun.

 

Titelbild: complize/photocase

Daniela Hoffmann

Daniela Hoffmann lebt und arbeitet als freie Fachjournalistin in Berlin. Seit ihrem Informatik- und Germanistik-Studium an der F.U. Berlin schreibt sie für IT- und Wirtschaftsmagazine. Ihre Beiträge zu IT- und HR-Themen erscheinen unter anderem in Medien wie „Computerwoche“, „automotiveIT“, „business impact“ und „IT-Director“.

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