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Bild: Marie Maerz / photocase.de

Zusatzqualifikationen für Geisteswissenschaftler – das Upgrade für Deinen Lebenslauf

Julia Zhu

Für Geisteswissenschaftler ist der Berufseinstieg oft schwieriger als für andere Absolventen. Gezielt ausgewählte Zusatzqualifikationen helfen ihnen dabei, sich auf den Traumjob vorzubereiten.

„Und was macht man damit?“ Diese Frage kennen die meisten Studenten geisteswissenschaftlicher Fächer nur zu gut. Im Gegensatz zu Anwälten, Ärzten oder Ingenieuren ist der Karrierepfad für Germanisten, Kunstwissenschaftler oder Philosophen nicht unbedingt vorgezeichnet. Viele entscheiden sich aus persönlichem Interesse für ihr Studienfach und haben kein klares Berufsziel vor Augen.

Das rächt sich oft beim Berufseinstieg. Denn Geisteswissenschaftler haben es nicht gerade leicht auf dem Arbeitsmarkt. Stellenausschreibungen, die speziell an sie gerichtet sind, sind rar – laut einer Studie waren es im ersten Halbjahr 2017 nur rund ein Prozent aller Anzeigen für Jobanfänger. Zudem werden in einigen Einstiegsbereichen wie beispielsweise der Kulturbranche, NGOs und sozialen Einrichtungen oft befristete und unterdurchschnittlich bezahlte Positionen angeboten. So ist es nachvollziehbar, dass Absolventen geisteswissenschaftlicher Fächer im Schnitt länger brauchen, bis sie im Berufsleben richtig Fuß fassen.

Geisteswissenschaftler punkten mit breitem Wissen und selbständiger Arbeitsweise

Das bedeutet nicht, dass Geisteswissenschaftler am Arbeitsmarkt vorbei studieren. Sie bringen Fähigkeiten mit, die Unternehmen gut gebrauchen können. Viele sind interdisziplinär gebildet und gut darin, sich in komplexen Themenfeldern schnell zurecht zu finden. Die häufig relativ lose Struktur der geisteswissenschaftlichen Disziplinen sorgt dafür, dass Studenten schon früh selbständig arbeiten und sich organisieren lernen. Beliebt sind Absolventen dieser Fächer schon lange in Kommunikation, Werbung und Marketing. Aber auch in anderen Fachbereichen haben sie gute Chancen – wenn sie sich gezielt vorbereiten.

Trotz breiter Qualifikationsprofile sind Geisteswissenschaftler in der Regel durch ihr Studium allein nicht hinreichend auf Jobs in der freien Wirtschaft vorbereitet. Ihr akademisches Wissen hat häufig wenig mit der täglichen Arbeit in Unternehmen zu tun. Zwar lassen sich viele Fähigkeiten, die dort benötigt werden, auch on the Job erlernen. Gerade wenn man sich um Stellen bewirbt, die auch Absolventen anderer Fächer ansprechen, sollte man sich aber frühzeitig Gedanken machen, wie man in den Augen des potenziellen Arbeitgebers heraussticht.

Zusatzqualifikationen für Geisteswissenschaftler: Auf das Berufsziel kommt es an

Eine gute Möglichkeit besteht darin, schon während des Studiums Zusatzqualifikationen zu erwerben, die im späteren Wunschberuf benötigt werden. Damit signalisiert man dem künftigen Arbeitgeber, dass man sich mit den Anforderungen des Jobs auseinandergesetzt und sich darauf vorbereitet hat. Man braucht weniger Zeit, um Fähigkeiten zu erlernen und ist schneller voll einsatzbereit – ein großer Vorteil für den potenziellen Chef und die künftigen Kollegen. Um in Berufen, die nicht zu den traditionellen Einsatzgebieten von Geisteswissenschaftler gehören, Fuß zu fassen, sind solche Zusatzqualifikationen absolute Voraussetzung. Aber auch in den Berufen, die näher am eigenen Studienfach dran sind, stehen Absolventen in großer Konkurrenz. Auch hier ist es von Vorteil, schon Kenntnisse der angestrebten Tätigkeiten mitzubringen.

Aber welche Zusatzqualifikationen für Geisteswissenschaftler sind konkret empfehlenswert? Der erste Schritt besteht darin sich klar zu machen, welchen beruflichen Pfad man sich für die Zukunft vorstellen kann. Nicht jeder Sinologe oder Romanist wird Professor oder Übersetzer, und nicht für jeden Kulturwissenschaftler findet sich eine Stelle als Kurator oder Redakteur. Absolventen dieser Fächer kommen etwa auch im Vertrieb für den ostasiatischen Raum und Lateinamerika unter oder im Projektmanagement. Wer nicht weiß, welche Karrierepfade ihm offenstehen, kann nicht gezielt darauf hinarbeiten. Eine Übersicht über mögliche Jobprofile, die für einen selbst in Frage kommen, können Beratungsstellen an den Unis bieten. Alternativ fragt man in Familie und Bekanntenkreis, welche Berufe Leute mit einem ähnlichen Studium ergriffen haben. Auch eine Recherche in Jobportalen kann Ausschreibungen für Stellen zutage fördern, an die man vorher nicht gedacht hat.

Mit diesen Fähigkeiten steigern Geisteswissenschaftler ihren Marktwert

Unabhängig davon, in welchen Bereich man später einmal möchte, gibt es einige Fähigkeiten, die immer nützen:

  • Gute Englischkenntnisse werden mittlerweile fast überall gefordert. Je größer und internationaler das Unternehmen, desto wichtiger wird Englisch. Selbst Kandidaten, die sonst perfekte Profile vorweisen, werden mitunter verpflichtet, Englisch zu pauken. Weitere Fremdsprachen sind von Vorteil, besonders wenn das Unternehmen in bestimmten Märkten sehr aktiv ist.
  • Unabdingbar sind auch Kenntnisse gängiger Softwareprogramme wie Microsoft Office. Je nach Einsatzgebiet sollte man Excel und PowerPoint mehr als nur in Grundzügen beherrschen.
  • Grundkenntnisse in Betriebswirtschaft sind in vielen Bereichen gefragt, in denen Kosten kalkuliert und Budgets aufgestellt werden müssen. Crash-Kurse gibt es für Teilnehmer mit unterschiedlichem Wissensstand und Ausrichtung, zum Beispiel BWL für Geisteswissenschaftler.
  • Auch Projektmanagement-Kenntnisse sind überall willkommen. Es muss nicht gleich ein Scrum Master sein, aber wer schon mit Trello oder Basecamp gearbeitet hat, sollte dies in der Bewerbung unbedingt erwähnen.
  • Schließlich sind Zeitmanagement und eine strukturierte Arbeitsweise für viele Arbeitgeber ein Pluspunkt.

 

Je nach Wunschjob werden noch eine Reihe weiterer Fähigkeiten gefordert:

  • In Abteilungen wie Marketing und Kommunikation kann Erfahrung mit Photoshop und Content-Management-Systemen hilfreich sein. Hier sind auch Kenntnisse von Web-Analytics, Suchmaschinenmarketing und Suchmaschinenoptimierung gefragt.
  • Wer darüber hinaus fit in Statistik oder Software-Programmierung ist, empfiehlt sich für weitere Einsatzbereiche, etwa in der Produktentwicklung oder im Controlling.
  • Im Personalwesen sind natürlich Kenntnisse von Arbeitsrecht ein Plus. Aber auch ein Mediationstraining kann dabei unterstützen, Konflikte im Betrieb zu managen.
  • Kreativ-Methoden wie Design Thinking werden mittlerweile nicht mehr nur in der Produktentwicklung eingesetzt, sondern auch in Organisations- und Strategieentwicklung.
  • Nicht zu vernachlässigen sind schließlich Soft Skills: Gute Kommunikations- und Präsentationsfähigkeiten helfen nicht nur in Jobs mit viel Kundenkontakt. Schon im Bewerbungsprozess können Kandidaten damit punkten.

Zusatz-Skills helfen auch Freelancern und Praktikanten

Hat man sich entschieden, wohin die Reise beruflich gehen soll, sind Praktika und Studentenjobs die beste Möglichkeit, Praxisluft zu schnuppern und sich mit Aufgaben und Anforderungen vertraut zu machen. Nicht selten sind jedoch dafür schon Hürden zu nehmen: Praktikanten sollen am besten einschlägige Erfahrungen mitbringen, verhandlungssicheres Englisch sprechen, dazu Spezialsoftware beherrschen und Projektmanagement-Wissen haben. Natürlich müssen nicht alle Anforderungen, die in der Stellenanzeigen aufgeführt sind, erfüllt werden. Auch hier gilt jedoch, dass man positiv auffällt, wenn man die wichtigsten Punkte abhaken kann.

Wer noch Lücken hat, findet eine Reihe von Möglichkeiten, sie zu schließen. Hochschulen bieten Kurse in sogenannten Schlüsselkompetenzen an. Auch Bewerbungs- und Präsentationstrainings gehören zum Repertoire der Unis. Wer neben dem Studium arbeitet, findet unter Umständen Trainingsangebote vom Arbeitgeber. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an E-Learning-Plattformen, die alles von Körpersprache bis hin zu SQL-Datenbank-Programmierung als Online-Kurs anbieten. Manche dieser Kurse sind kostenlos, andere gehen in die Hunderte Euro. Bevor man sich dafür anmeldet, sollte man also gut überlegen, ob sie einen weiterbringen und ob sie vernünftig gestaltet sind. Einen Überblick über E-Learning-Anbieter findet ihr hier.

Auch eine freiberufliche Tätigkeit kommt für Geisteswissenschaftler in Frage, etwa als Autoren, Übersetzer, Lektoren, Projektmanager. Gerade Freelancer brauchen aber spezielle Fähigkeiten, um wirklich erfolgreich zu sein. Dazu gehören Betriebsführung und Marketing. Denn sie müssen überblicken, welche Kosten sie haben, welche Einnahmen sie benötigen und wie sie sich vermarkten, um genügend Aufträge zu sichern. Bei der Akquise hilft es auch, sich gut präsentieren und kommunizieren zu können und ein Netzwerk an Kontakten aufzubauen. Hilfestellung hierzu geben unter anderem Coachings und Seminare für Existenzgründer, die in vielen Städten von der lokalen IHK oder auch Gründer-Zentren angeboten werden.

Julia Zhu

Julia Zhu ist studierte Literatur- und Kommunikationswissenschaftlerin. Als Millenial blickt sie mal begeistert, mal belustigt und ab und an auch mal kritisch auf die neue Arbeitswelt. Ihre Gedanken dazu schreibt sie als Redakteurin im univativ Journal auf.

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