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Bild: DMG07 / photocase.de

Bewerbung Absage: aus Scheitern lernen

Julia Zhu

„Wir haben uns leider für einen anderen Kandidaten entschieden.“ Ein Satz, der der Hoffnung auf den Traumjob abrupt ein Ende setzt. Doch in jeder Niederlage steckt auch eine Chance – wenn man damit richtig umgeht.

Wenn auf die Bewerbung eine Absage folgt, tut das oft weh. Viele interpretieren das Nein für sich als: Du bist nicht gut genug. Dabei ist eine Absage keine pauschale Abwertung des Kandidaten. Denn in jeder Stellenausschreibung sind viele unterschiedliche Dinge gefordert, fachlicher wie persönlicher Natur. Und damit gibt es viele Faktoren, von welchen am Ende vielleicht nur einer nicht passt. Sich aber mit den Gründen für den Misserfolg zu befassen, kann durchaus die Chancen für das nächste Mal verbessern.

Ursachenforschung statt Kopf in den Sand stecken

Der erste Fehler, den viele Bewerber nach einer abschlägigen Antwort machen, ist den Kopf in den Sand zu stecken. So manchem ist eine Absage peinlich, man will sich möglichst wenig damit auseinandersetzen. Das ist verständlich, doch bringt es außer Ego-Pflege wenig. Denn aus Fehlern lernt man nur, wenn man weiß, was man hätte besser machen können. Darum gehört eine gründliche Überprüfung aller Aspekte der Bewerbung zum Bewältigungs- und Lernprozess dazu.

Zuerst gilt es zu klären, auf welcher Stufe des Bewerbungsverfahrens die Absage erfolgte. Daraus lässt sich bereits ablesen, wo der neuralgische Punkt sitzt. Folgte direkt auf die Zusendung der Bewerbungsunterlagen eine Absage, deutet dies darauf hin, dass hier bereits wesentliche Anforderungen nicht erfüllt wurden. Das können formale Unzulänglichkeiten im Anschreiben sein, etwa Rechtschreibfehler oder eine unklare Zuordnung zur angestrebten Stelle. Ein genauer, kritischer Blick auf die verschickten Dokumente kann solche Fauxpas zu Tage fördern. Die Lektion: Beim nächsten Mal sorgfältiger arbeiten und nach dem Vier-Augen-Prinzip auch noch jemand anderes drauf schauen lassen.

Rechtschreibung oder unpassendes Profil?

Liegen sicher keine Formfehler vor, sollte man überprüfen, wo die inhaltlichen Hürden lagen. Handelte es sich um eine Initiativbewerbung? Dann war es möglicherweise einfach der falsche Zeitpunkt und es ist aktuell keine Stelle zu besetzen.

Bei der Ursachenforschung kommt es weiterhin auf die Formulierung der Absage an. Ist ein Bewerber grundsätzlich interessant, bringen Unternehmen dies häufig zum Ausdruck und bietet an, im Gespräch zu bleiben. In dem Fall lohnt es sich, freundlich zurückzuschreiben und anzugeben, ob man zu einem späteren Zeitpunkt oder auch für eine andere Position zur Verfügung steht. Fehlt ein solcher Vorschlag, muss man eher davon ausgehen, dass das eigene Profil grundsätzlich nicht zum Unternehmen passt.

Gab es eine Stellenausschreibung, ist zu prüfen, ob die Bewerbung dieser inhaltlich entsprach. Gerade für Berufsanfänger ist es nicht immer einfach zu erkennen, welche Anforderungen Pflicht sind und auf jeden Fall erfüllt sein müssen. Fähigkeiten und Erfahrungen, die in der Stellenanzeige als „Voraussetzung“ oder „erforderlich“ genannt sind, die der potenzielle Arbeitgeber „erwartet“ oder der Kandidat „mitbringt“, sind in der Regel nicht verhandelbar. Hat man hier Defizite, ist eine Bewerbung wenig aussichtsreich. In dem Fall sollte man sich Gedanken machen, welche anderen Jobprofile besser zu einem passen. Komplizierter ist die Situation bei nicht essenziellen, aber erwünschten Skills. Diese muss man nicht vorweisen können, aber sie verbessern die eigenen Chancen, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Handelt es sich um eine hoch begehrte Stelle, können diese Extras den Ausschlag geben.

Aus Fehlern lernen statt Frust schieben

Wenn man nach einer Überprüfung der Bewerbungsunterlagen zu dem Schluss kommt, dass man tatsächlich nicht der ideale Kandidat für die Stelle war, ist das sicherlich frustrierend. Das bedeutet jedoch nicht, dass man an sich und seinen Fähigkeiten zweifeln sollte. Stattdessen gilt es zu überlegen, welche anderen Tätigkeitsbereiche es gibt, in denen man sich effektiver einbringen kann. Als Denkanstoß kann es hilfreich sein, unterschiedliche Stellenanzeigen zu lesen und zu vergleichen. Stichwortsuchen nach den eigenen Stärken können Jobprofile zu Tage fördern, die man vorher vielleicht noch nicht kannte. Wer hingegen seinen Traumjob gefunden hat, aber nicht alle Voraussetzungen erfüllt, sollte gezielt darauf hinarbeiten, sich die notwendigen Skills und Erfahrungen anzueignen. Praktika, Studentenjobs oder Weiterbildungen können dabei helfen, sich positiv von anderen Bewerbern abzuheben und dadurch dem Ziel ein Stück näher zu kommen.

Bewerbung Absage: Auch auf den persönlichen Eindruck kommt es an

Schließlich kommt es natürlich auch vor, dass man zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird und dann die Stelle dennoch nicht bekommt. Auch hier können unterschiedliche Gründe ausschlaggebend sein. Bei einem persönlichen Kennenlernen wollen Unternehmen den ersten Eindruck, den sie aus den Bewerbungsunterlagen gewonnen haben, prüfen und offene Fragen beantworten. Hier ist es also wichtig, die Konsistenz zwischen schriftlichem und persönlichem Auftritt zu wahren. Gibt man im Anschreiben an, gute Kenntnisse von Datenbanken zu besitzen, kann aber Fragen zu SQL nicht beantworten, kommen beim Gesprächspartner sicher Zweifel auf. Und zwar nicht nur an der konkreten Fähigkeit, sondern an der gesamten Selbstdarstellung. Wenn also das Kennenlernen eher holprig verlief, ist das ein Anzeichen, dass man sich beim nächsten Mal besser auf absehbare Fragen vorbereiten sollte. Möglicherweise muss man auch Fähigkeiten, die für den Job gefragt sind, noch einmal auffrischen – oder im Anschreiben weniger dick auftragen.

Darüber hinaus geht es im Vorstellungsgespräch darum, neben den fachlichen Qualifikationen auch die Soft Skills zu testen und zu prüfen, ob Kandidat und Unternehmen oder zukünftiges Team menschlich zusammenpassen. Auch bei guter inhaltlicher Eignung kann es sein, dass man eine Stelle nicht bekommt, wenn es an anderer Stelle hapert. Ist zum Beispiel Kundenkontakt Teil der Jobbeschreibung, haben sehr schüchterne Bewerber, die wenig durchsetzungsfähig wirken, schlechtere Karten. Entscheidend kann auch die Unternehmenskultur sein. Treffen eine stark hierarchische Organisation und ein freiheitsliebender Kandidat aufeinander, werden beide wahrscheinlich nicht miteinander glücklich. Auch hierüber sollten sich Bewerber schon im Vorfeld Gedanken machen, bevor sie sich beim Unternehmen vorstellen.

Nachfragen geht über Studieren

Trotz vieler Indizien lässt sich im Nachhinein nicht immer erkennen, woran man gescheitert ist. Viele Unternehmen geben von sich aus wenig Anhaltspunkte, was ihnen an der Bewerbung missfallen hat. Dies hat zwar auch mit Zeitnot zu tun, liegt aber vorrangig darin begründet, dass Personaler zur Absicherung vor Diskriminierungsvorwürfen lieber zu wenig als zu viel sagen. Dennoch sollte man sich nicht abschrecken lassen, auch bei einer standardisierten Absage das Gespräch zu suchen. Zwar ist nicht garantiert, dass dieses auch zustande kommt. Wer gar nicht erst fragt, erhält aber sicher keine Auskunft.

Dabei kann es helfen, anzurufen statt per Mail oder Brief um Informationen zu bitten. Zum einen signalisiert man damit, dass man ernsthaft an Feedback interessiert ist. Oftmals lässt sich auf der Tonspur auch eine bessere Gesprächsebene schaffen und man kann Rückfragen direkt stellen. Schließlich müssen Personaler auf der Tonspur weniger Bedenken haben, dass Informationen dokumentiert und gegen sie verwendet werden, im Sinne eines Verstoßes gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). So sind sie unter Umständen eher bereit, auch kritische Punkte offen anzusprechen.

Am Ende sollte man sich nicht von einem negativen Feedback – oder auch fünf oder zehn – entmutigen lassen. Schließlich führen laut einer Studie von Staufenbiel nur drei Prozent aller Bewerbungen zu einer Einstellung. Wer sich aber selbstkritisch mit den Gründen auseinandersetzt, warum es dieses Mal nicht geklappt hat, macht es beim nächsten Mal besser.

Julia Zhu

Julia Zhu ist studierte Literatur- und Kommunikationswissenschaftlerin. Als Millenial blickt sie mal begeistert, mal belustigt und ab und an auch mal kritisch auf die neue Arbeitswelt. Ihre Gedanken dazu schreibt sie als Redakteurin im univativ Journal auf.

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