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Bild: himberry / photocase.de

Kreative Jobs: So viel Spielraum bietet die IT

Julia Zhu

Kreative Jobs finden sich entgegen aller gängiger Klischees auch in der IT Branche. Das Berufsfeld IT hat mehr zu bieten als Nerds mit Brille, die in dunklen Räumen endlose Reihen von Nullen und Einsen programmieren. Wir stellen euch ein paar Beispiele für kreative Jobs vor.

Wie viele Softwareentwickler braucht man, um eine Glühbirne auszuwechseln? Keinen, das ist ein Hardware-Problem. Entgegen verbreiteter Klischees können Informatiker nicht nur durchaus witzig sein. Sie sind auch kreativ. Mittlerweile funktioniert kaum noch ein Bereich im Leben ohne IT. Technologie bietet Lösungen für Probleme aller Art – und muss an die unterschiedlichsten Nutzer und Bedürfnisse angepasst werden. Häufig beinhalten IT-gestützte Produkte und Services sogar Funktionen, von denen man gar nicht wusste, dass man sie braucht. Hat man sie einmal kennengelernt, geht es aber nicht mehr ohne.

Herauszufinden, was Menschen eigentlich von Technologie wollen und wie man sie so gestaltet, dass sie Unternehmen wie Anwendern möglichst viel Nutzen stiftet, erfordert Kreativität – zum Beispiel im Bereich des User Experience (UX) Design, der Gestaltung der Benutzererfahrung. Aber Vorstellungsvermögen ist auch in der Programmierung von Anwendungen und sogar in einem so technischen Bereich wie IT-Sicherheit wichtig. Wir haben mit dem UX-Designer Zoran Vitkovic, Software-Entwickler und Berater Marius Soutier und Tobias Braun, einem Information Security Manager, darüber gesprochen, was sie in ihrem Job machen und wo ihre Kreativität gefordert ist.

Erkläre uns kurz, wofür du zuständig bist und mit welchen Aufgaben du täglich zu tun hast.

Zoran: Ich bin User Experience Designer. Ich konzipiere und gestalte die Benutzererfahrung für Software- und Online-Projekte, die sich an die unterschiedlichsten Zielgruppen richten. Mein Hauptaugenmerk liegt auf der Analyse von Problemen in abgeschlossenen oder noch in der Entwicklung begriffenen Softwareprojekten. Bei jedem Projekt muss ich mich zunächst einmal in die Materie einarbeiten und verstehen, was die Software erreichen will. Nachdem ich mögliche Probleme analysiert habe, erarbeite ich Vorschläge, wie wir die Software möglichst optimal für Nutzer gestalten. Neben der Gestaltung von Funktionen behalte ich dabei auch die technischen Voraussetzungen für die Umsetzung im Blick. Die Vorschläge fließen dann in Konzepte mit Bild und Text ein, die den beteiligten Projektmanagern, Product Ownern und Design Managern vorgelegt werden.

Marius: Als selbständiger Berater helfe ich Firmen dabei, ihren oft ungenutzten Schatz, nämlich Daten, zu heben. Nicht umsonst heißt es „Data is the New Oil“. Dazu baue ich zunächst eine zentrale Dattenplattform auf, in der möglichst viele der im gesamten Unternehmen anfallenden Daten gesammelt werden. Meine Funktion ist die des Data Engineers, in Abgrenzung zum Data Scientist, der die mathematischen Algorithmen entwickelt. Ich stelle sicher, dass die Plattform richtig funktioniert, dass die Daten korrekt formatiert sind, und begleite die Integration der jeweiligen Abteilungen in die Plattform.

Darauf aufbauend entwickele ich oft Dashboards, auf denen die Daten korreliert und angezeigt werden. Ein Online-Shop könnte dann beispielsweise erkennen, dass potenzielle Kunden den Shop wieder verlassen, weil ihre Suchergebnisse nicht die passenden Produkte zurück liefern. Oder sie können dabei zuschauen, welche Produkte jetzt gerade gekauft werden. Noch spannender wird es dann, wenn man die Datengrundlage nutzt, um den Kunden passende Produkte vorzuschlagen und damit den Umsatz zu steigern – das bekannte „Kunden, die diesen Artikel kauften, kauften auch…“.

Tobias: Ich arbeite als Information Security Manager. Ein Teilaspekt meiner Tätigkeit ist das Testen von Anwendungen, die aus dem Internet aus erreichbar sind. Hierbei betrachte ich eine Anwendung aus der Sicht eines regulären Benutzers und prüfe sie auf Risiken. Ich suche nach allen möglichen und unmöglichen Wegen, die Anwendung auf Weisen zu nutzen, die nicht vorgesehen sind und potentiell ein Risiko für das Unternehmen oder andere Personen darstellen. Dieser Teil meiner Arbeit nennt sich Penetration Testing, oder kurz Pentest.

In welcher Hinsicht bist du kreativ tätig? Was bedeutet Kreativität in deinem Job konkret?

Zoran: Tatsächlich habe ich sehr viel Spielraum und Möglichkeit zur Kreativität. Das hatte ich zuvor gar nicht so vermutet. Am Anfang meiner Arbeit steht ein Problem, von dem niemand so recht weiß, wie die Lösung aussehen kann oder wie man sie formulieren soll. In diesem Bereich der Lösungsfindung gibt es also Raum für Kreativität. Beispielsweise versuche ich, die Bedienung auf einer Website zu vereinfachen. Das kann so aussehen, dass ich fünf Buttons auf zwei Buttons reduziere. Ich könnte aber auch einen Schieberegler einfügen oder einen Radiobutton – oder noch etwas ganz anderes, das dieselben Funktionen schlanker und übersichtlicher anbietet. Es erfordert Kreativität, mir hier eine Auswahl an Möglichkeiten vorzustellen, unter denen sich hoffentlich am Ende die beste Lösung für das gegebene Problem befindet.

Tobias: Jede Anwendung ist in ihrem Verhalten einzigartig und bietet Angriffspunkte, die nicht immer sofort erkennbar sind. Im Entstehungsprozess konzentrieren sich die Entwickler und Operators auf den Zweck und die Wirkweise der Anwendung. Das kann einen gewissen Tunnelblick erzeugen. Meine Aufgabe ist es, über den beabsichtigten Zweck hinauszusehen, und zwar auf allen Ebenen. Kreativität bedeutet hier genau zu analysieren, was die Anwendung tatsächlich tut, und nicht nur das, was sie tun soll. Damit kann ich verstehen, wie sie dazu genutzt werden kann, um völlig andere, zumeist potentiell gefährliche Aktionen durchzuführen. Man betrachtet die Software aus allen möglichen Winkeln und versucht hierbei unsichtbare Türen zu finden. Da muss man bisweilen viel Fantasie haben.

Marius: Beim Programmieren führen sehr viele Wege nach Rom. Es gibt nicht für jede Aufgabe genau eine Lösung. Eine Software wird zudem nicht in einem Anlauf geschrieben und ist dann abgeschlossen. Während man sie entwickelt, lernt man mehr über die Problemstellung und muss die neuen Informationen kreativ in die Lösung einbauen. In meinem Job heißt Kreativität daher vor allem, mit unerwarteten Problemen und ständigen Veränderungen umzugehen.

Ein aktuelles Beispiel: Eine Datenbankabfrage erschien bei der Konzeption als trivial. Aber eine Änderung an der Abfrage verlangsamte sie plötzlich deutlich. Wie lässt sich das Problem beheben? Unsere Lösung bestand darin, manche Ergebnisse im Voraus zu berechnen, noch bevor sie abgefragt werden. Dadurch wird die Abfrage wieder blitzschnell. Die hohe Dynamik bei der Softwareentwicklung erfordert außerdem Kommunikationsvermögen: Bearbeitet man eine Stelle der Software, kann sich das an ganz anderer Stelle auswirken. Das gilt es im Blick zu behalten, damit man nicht versehentlich neue Probleme schafft. Dazu muss man mit seinen Teamkollegen über mögliche Konsequenzen von Arbeitsschritten sprechen und alle am Projekt Beteiligten auf dem Laufenden halten.

War dir das vorher bewusst, als du dich für diesen Job entschieden hast? Oder war kreativ zu sein sogar Teil der Erwartung an dieses Berufsbild?

Zoran: Mir persönlich war Kreativität immer wichtig. Ich komme aus dem eher „trockenen“ Bereich der Wirtschaftswissenschaft, was mir auf Dauer keinen Spaß gemacht hätte. Darum habe ich nebenher immer ausgleichende kreative Aufgaben gesucht, sei es im Visual Design, im Video-Schnitt oder der Musikproduktion. Dass ich dann aber im Beruf des UX-Konzepters so kreativ arbeiten kann, hätte ich vorher nie geglaubt. Das war für mich eine absolut positive Überraschung und gefällt mir bis heute unheimlich gut an meinem Aufgabenbereich.

Marius: Ich habe schon während meiner Schulzeit Geld mit dem Erstellen von Webseiten verdient und dabei gelernt, wie viele gestalterische Möglichkeiten es in der Software-Entwicklung gibt. Das hat mich daran auch gereizt. Eigene Entscheidungen zu treffen ist für Entwickler unersetzlich. Je mehr ich selber zum „Owner“ der Aufgabe werde, desto mehr Herzblut stecke ich auch in ihre Umsetzung. Projekte, bei denen von oben herab entschieden wird, laufen meiner Erfahrung nach schlechter, weil die Mitarbeiter sich dann nicht mehr mit dem Produkt und dem Unternehmen identifizieren. Meiner Meinung nach können Firmen es sich heute nicht mehr leisten, Mitarbeiter als „Ressource“ zu verplanen und ihren Freiraum einzuschränken.

Tobias: Natürlich gibt es das Bild des coolen Hackers, der unkonventionell denkt und damit im entscheidenden Augenblick die Lösung einer vermeintlich unlösbaren Aufgabe präsentiert. Das ist aber nur ein Teil der Realität. Tatsächlich steht vor diesem genialen Geistesblitz ein langer Weg mit trockenen Algorithmen, Risikobewertungen und Mathematik. Um den Job richtig gut zu machen, gehört allerdings auch eine Portion Kreativität zum Anforderungsprofil dazu. Das Ziel meiner Arbeit ist es, Menschen und Konzerne vor digitalen Angriffen zu schützen. Dabei brauche ich einen gewissen Freiraum, um meine Arbeit optimal machen und meine Kreativität entfalten zu können. Gleichzeitig ist jeder Prozess in der Informationssicherheit Teil eines übergeordneten Systems, das integriert und standardisiert sein muss, um auch wirksam zu sein. Die Harmonisierung der IT-Sicherheitsprozesse ist deshalb genauso wichtig wie individueller Freiraum.

Kreative Jobs in der IT: Hier wirst Du fündig

UX-Design und IT-Sicherheit sind nur zwei von vielen Bereichen in der IT, in denen Experten ihrer Fantasie freien Lauf lassen können. Du suchst nach Deinem Traumjob, der Technologie mit Kreativität verbindet? Probiere es mit diesen Berufen:

  • Webdesigner/App-Designer: Sie arbeiten an der Schnittstelle zwischen Design und IT, verstehen sowohl die Anforderungen der Nutzer als auch das, was technisch machbar ist. Webdesigner arbeiten eng mit Entwicklern, Produkt- und Kommunikationsmanagern zusammen, um von der Idee zur – bestmöglich gestalteten – fertigen Website zu kommen. App-Designer bilden diesen Prozess für mobile Anwendungen ab.
  • Game Designer: Fürs Spielen bezahlt werden, das wär’s! Aber hinter einem Computerspiel steckt viel Arbeit. Game Designer entwickeln von der Spielewelt über die Geschichte bis hin zu Bildgestaltung und Sound alle Aspekte eines Spiels. Sie konzipieren, was spezialisierte Entwickler im Anschluss in ein fertiges Produkt umsetzen, und müssen schon in der Konzeptionsphase praktische Erwägungen mit bedenken.
  • Softwareentwickler: Wie auch UX-Spezialisten bearbeiten Softwareentwickler die Frage, was ein Programm können soll und wie man das bestmöglich erreicht. Sie können sich auf unterschiedliche Aspekte eines Softwareprojekts spezialisieren – Frontend-Entwickler beispielsweise gestalten die Optik einer Anwendung und bestimmen das Design maßgeblich mit. Grafikprogrammierer kommen hingegen in Projekten mit stark visuellen Komponenten, wie Videos und Spiele, zum Einsatz.
  • Social Media Manager: Auch für Jobs, die klassischerweise in anderen Fachbereichen angesiedelt sind, braucht man mittlerweile solide IT-Kenntnisse. Social Media Manager müssen die Besonderheiten aller gängigen Plattformen kennen, ihre Vor- und Nachteile, Fähigkeiten und Beschränkungen. Nur so können sie die passenden Kanäle für ihr Unternehmen auswählen und maßgeschneiderte Strategien für diese Kanäle erarbeiten. Kreativ sind sie tätig, wenn sie Unternehmen und Nutzer zusammenbringen und die Zielgruppe auf Augenhöhe ansprechen.
  • Data Scientist/Data Visualizer: Zahlen jonglieren – nicht gerade kreative Höchstleistung. Oder? Data Scientists werten große Mengen an Daten aus, um Informationen zu gewinnen und entsprechende Handlungsempfehlungen auszusprechen. Sie müssen also nicht nur die Zahlen lesen, sondern diese auch kreativ weiterverarbeiten, um dem eigenen Unternehmen oder dem Kunden zu helfen. Data Visualizer unterstützen sie dabei, indem sie Daten so aufbereiten, dass auch Personen ohne viel Hintergrundwissen von der Materie verstehen, worum es geht.

Julia Zhu

Julia Zhu ist studierte Literatur- und Kommunikationswissenschaftlerin. Als Millenial blickt sie mal begeistert, mal belustigt und ab und an auch mal kritisch auf die neue Arbeitswelt. Ihre Gedanken dazu schreibt sie als Redakteurin im univativ Journal auf.

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