.single-format-quote .post section blockquote { background: url("img/jobs.jpg") no-repeat scroll 0 0 / cover #273035; border: medium none; margin: 0; padding: 30px 40px; } ?>

Bild: Kallejipp / photocase.de

Kreative Jobs in der IT: UX Designer Henning Grote im Gespräch

Julia Bellinghausen

Wer auf der Suche nach einem originellen Beruf ist, wird nicht gerade an kreative Jobs in der IT denken. Kreative Mensch mit Freude am Gestalten und einem Faible für Design, werden Grafiker, Modedesigner, Innenarchitekten. Echt? Warum nicht was mit IT? Die Digitalisierung hält in immer mehr Berufsfelder Einzug und fordert teils umfassende IT-Kenntisse von Menschen, die bis dato eher mit Stift und Block unterwegs waren. Umgekehrt entwickeln sich zunehmend IT-Berufe, in denen Kreativität und unkonventionelles Denken das A und O sind. Zum Beispiel beim UX Designer.

Einer, der weiß, worauf es beim UX Design ankommt, ist Henning Grote. Er ist Experte für User Experience (UX), Mitgründer des UXcamps und hat sein Können bereits in zahlreichen Positionen und Projekten unter Beweis gestellt. Uns stand er für ein Interview zur Verfügung.

Henning, was macht ein UX Designer überhaupt? Wo kommt er zum Einsatz?

Ein UX Designer kann und sollte überall da zum Einsatz kommen, wo interaktive Produkte oder Systeme für menschliche Nutzer entworfen werden. Die Hauptaufgabe des UX Designers ist sicherzustellen, dass der Nutzer die Aufgaben, die er erledigen will, so einfach und elegant wie möglich erfüllen kann.

Kreative Jobs in der IT: Das gibt es also wirklich?

Definitiv, ja. Kreativität ist sehr wichtig für einen UX Designer. Allerdings ist damit nicht der Geistesblitz im stillen Kämmerlein gemeint. Ein UX Designer muss vielmehr in der Lage sein, aus den verschiedenen, auch gerne mal bruchstückhaften, Informationen und Vorgaben, neue Lösungen zu entwickeln. Die kreative Leistung besteht darin, die Lücken zu füllen und ein konsistentes Gesamtbild zu gestalten.

Der UX Designer ist in der Regel die Schnittstelle zwischen dem späteren Nutzer, dem Designer, den Programmierern und, nicht zu vergessen, auch den Anforderungen des Auftraggebers. Deshalb braucht er in erster Linie ein hohes Maß an Empathie und gesundem Menschenverstand. Er muss sich zum Beispiel auch dann in den Nutzer hinein versetzen können, wenn keine aussagekräftigen Daten zur Verfügung stehen oder keine Nutzertests möglich sind. Den gesunden Menschenverstand braucht es eigentlich überall, dem UX Designer hilft er aber besonders, fachidiotische Irrwege zu erkennen.

Was muss ein guter UX Designer sonst noch mitbringen? Wie viel ist IT, wie viel Design?

In jedem Fall ist ein solides Grundwissen in Usability und Software Ergonomie notwendig. Außerdem sollte sich ein UX Designer auch schon mal mit allgemeinen Gestaltungsgrundsätzen auseinandergesetzt haben. Das reicht von Typographie über Proportionen bis Farbenlehre und inzwischen auch Animationen.

Da ein UX Designer auch mit Entwicklern zusammenarbeitet, gehört auch technisches Wissen zum Handwerkszeug. Er muss zum Beispiel wissen, was HTML, CSS und Javascript bedeutet, auch wenn er es nicht selbst programmieren können muss. Oft kommt man mit Redaktionssystemen, Content Management Systemen oder eCommerce Plattformen in Kontakt und darf sich auch davon nicht abschrecken lassen.

Neben den gestalterischen und technologischen Grundlagen müssen UX Designer natürlich auch die wichtigsten Business Prozesse ihrer Auftrag- oder Arbeitgeber verstehen, denn letztendlich dienen die Produkte, die ein UX Designer mitgestaltet natürlich eben diesem Business. Arbeitet ein UX Designer auch an der Kommunikation mit, etwa an der Website für ein Produkt, dann sind zudem Marketing-Kenntnisse notwendig. Das kann bis zu Detailkenntnissen in Content Marketing, Social Media-Mechaniken oder sogar SEO-Kenntnissen gehen.

Von dieser langen Liste sollte sich aber niemand abschrecken lassen. Von einem Einsteiger wird nicht erwartet, das alles zu können und auch alte Hasen können längst nicht alles aus der Liste. Mit den ersten Projekten als UX Designer kommt schnell auch ein Gefühl dafür, welche Projekte am meisten Spaß machen und dadurch entsteht dann ganz automatisch eine Spezialisierung.

Wo kann man UX Design am besten lernen?

In meiner Laufbahn sind mir schon unzählige Quereinsteiger begegnet, ich selbst bin zum Beispiel abgebrochener Geisteswissenschaftler und habe nie ein Designstudium absolviert. Dennoch gibt es ein paar Studienorte, die einem immer wieder begegnen, wenn man in die Lebensläufe guter UX Designer schaut. Dazu zählen – und das ist jetzt eine willkürliche Liste von Hochschulen, die mir spontan einfallen – die Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd, die FH Potsdam, die Hochschule der Medien in Stuttgart und die UdK Berlin.

Inzwischen gibt es aber auch viele private Fachhochschulen oder berufsbegleitende Qualifizierungsangebote. Bei Letzteren sind insbesondere die Angebote von Artop und der Career Foundry aus Berlin zu erwähnen.

Du bist Mitgründer des UXcamps: Mit welcher Mission habt Ihr es ins Leben gerufen? Warum sollte man hingehen?

Richtig, Ende 2008 habe ich mit sechs Freunden zusammen das UXcamp gegründet. Im Juni 2009 fand es das erste Mal statt – damals mit ca. 150 Teilnehmern aus Deutschland. Seit 2010 haben wir zunehmend auch internationale Gäste aus ganz Europe und müssen inzwischen die Teilnehmerzahl auf 550 Gäste begrenzen. Damals hatten wir das Ziel, für UX Designer eine Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch zu schaffen.

Inzwischen hat sich rund um das UXcamp eine lebendige, europäische Community of Practice entwickelt. Die Barcamp Devise “no spectators, only participants” hat von Beginn an dazu geführt, dass sich alle auf Augenhöhe begegnen. Jeder kann eine Session halten, ob Student oder langjähriger Professional. Das UXcamp hat sich inzwischen zur größten UX Konferenz in Europa entwickelt. Es funktioniert gleichermaßen gut zum Netzwerken oder für die eigene Weiterbildung und ist Jobbörse und Bühne für die Präsentation neuer Methoden oder eigener Projekte. Inzwischen gibt es jede Menge weiterer UXcamps, beispielsweise in Hamburg, in Polen, den Niederlanden, UK, und, und, und…

Gibt es noch andere Events, die junge UXler auf dem Schirm haben sollten, um sich in der Szene zu vernetzten?

Neben unseren Barcamps gibt es natürlich jede Menge kleiner und größerer Veranstaltungen, die sich immer wieder lohnen. Darunter sind kostenlose wie der Usability Day oder kleine und große Konferenzen. Das fängt beim UXday in Mannheim an und reicht bis zur UX Strat Konferenz in Amsterdam. Anfang jedes Jahres gibt es zum Beispiel auf dem Blog produktbezogen.de einen Ausblick auf besonders lohnenswerte Events.

Auch bei Testing Time findet man tolle Event-Tipps. Letztere haben grade auch eine Liste von UX Designern veröffentlicht, denen man auf Twitter folgen sollte.

Julia Bellinghausen

Julia Bellinghausen hat Philosophie, Literatur- und Kommunikationswissenschaft studiert. Als Redakteurin für das univativ Journal ist sie immer auf der Suche nach neuen Geschichten rund um die Themen Studium, Berufseinstieg und Arbeitswelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

error: Dieser Inhalt ist geschützt!