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Bild: knallgrün / photocase.de

Das Studium unterbrechen oder abbrechen?

Julia Bellinghausen

Das Studium unterbrechen oder sogar abbrechen: Soll ich’s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein? Bevor man sich endgültig entscheidet, kann es hilfreich sein, eine Verschnaufpause einzulegen, Praxisluft zu schnuppern und über alternative Ausbildungswege nachzudenken.

So wie eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, setzt eine verpatzte Klausur dem Studium noch kein Ende. Für viele Studenten kommt mit der ersten 5,0 in einer Hausarbeit oder Klausur ein Moment der Ernüchterung. Aber auch mangelnde Motivation, fehlende Leidenschaft für das Studienfach und die akademische Arbeitsweise können schnell zu der Frage führen: Ist studieren eigentlich das Richtige für mich? Bevor man in einer Kurzschlussreaktion alles hinschmeißt, ohne einen Alternativplan zu haben, lohnt es sich, einen Schritt zurück zu machen und die Situation mit etwas Distanz zu betrachten. Dann wird oft klarer, ob es sich nur um ein kurzfristiges Motivationsloch handelt. Dann ist eine Verschnaufpause ausreichend. Andernfalls ist meist eine grundlegende Neuausrichtung die richtige Entscheidung.

Der häufigste Grund für den Abbruch des Studiums: Leistungsdruck

Wenn jemand mit seinem Studium hadert, kann das verschiedene Gründe haben: Leistungsdruck, das falsche Studienfach, finanzielle oder persönliche Probleme. Was für Diplom- und Magisterstudenten noch einfacher zu meistern war, stellt Bachelor- und Masterkandidaten vor echte Herausforderungen. Die Studienordnungen sind seit der Bologna-Reform, mit der Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt wurden, sehr verschult, streng durchgeplant und eng getaktet. Wird eine Klausur nicht bestanden, droht der ganze Zeitplan durcheinander zu geraten. Mehr noch: Da jede Prüfung und jede Hausarbeit für die Abschlussnote relevant sind, ist der Leistungsdruck von Anfang an sehr hoch. Das wird schnell zum Problem, wenn nicht alles nach Plan läuft. Dann stehen sich viele Studenten selbst im Weg und scheitern an ihren eigenen Erwartungen.

Leistungsdruck ist auch laut einer Studie des Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung der Hauptgrund dafür, das Studium abzubrechen. 20 Prozent der befragten Studienabbrecher gaben an, dem Druck, gute Prüfungsergebnisse zu erzielen, nicht gewachsen gewesen zu sein. In die gleiche Richtung gehen auch andere Ergebnisse: 12 Prozent scheiterten an den Studienbedingungen, 11 Prozent wurden wegen wiederholtem Nichtbestehen einer Prüfung zwangsexmatrikuliert.

Aber nicht nur der Druck, möglichst gute Noten zu schreiben, sorgt dafür, dass immer mehr Studenten die Flinte ins Korn werfen. 19 Prozent geben an, sich das Studium nicht leisten zu können. Auch hier spielt die Struktur der Bachelor- und Masterstudiengänge eine Rolle. Durch die enge Taktung ist es für die Studenten oft kaum machbar, neben der Uni zu arbeiten. Unbezahlte Pflichtpraktika in den Semesterferien geben dem Konto dann den Rest. Wer kein BAFöG bekommt oder von den Eltern nicht unterstützt wird, steht trotz diverser Möglichkeiten für die Studienfinanzierung schnell vor dem finanziellen Aus. Die unfreiwillige Exmatrikulation ist die Folge.

Abbrechen? Erst mal das Studium unterbrechen!

In einigen Fällen ist es die einzig richtige Entscheidung, das Studium abzubrechen. Wer sich zwingen muss, Interesse am eigenen Studienfach aufzubringen, wird höchstwahrscheinlich den Abschluss nicht schaffen. Im schlimmsten Fall muss man bis zur Rente in einem unliebsamen Job arbeiten. Wer nicht ausreichend finanzielle Unterstützung bekommt und einen Kredit ablehnt, wird ein Studium kaum finanzieren können. Auch die akademische Arbeitsweise liegt schlicht nicht jedem. Aber ist man wirklich für die Uni nicht geeignet oder handelt es sich eher um eine kurzfristige Schaffenskrise? Ist das aktuelle Semester zu vollgepackt mit Prüfungen und unliebsamen Themenkomplexen? Oder ist das Fach grundsätzlich nicht meins?

Hans-Werner Rückert, Psychologe an der FU Berlin, hat für alle Zweifler einen funktionierenden Rat. Wer mit dem Gedanken spielt, sein Studium abzubrechen, sollte sich vier Fragen stellen:

  1. Ist das Problem tatsächlich das Studium?
  2. Hast Du versucht, das Problem zu lösen?
  3. Studierst Du das Fach, das Du studieren wolltest?
  4. Hast Du mögliche Alternativen ausprobiert?

Wer sich mit allen vier Fragen intensiv auseinandergesetzt hat, weiß spätestens dann, was zu tun ist.

Doch oft können schon kleine Rückschläge wie ein Seminar, das einen überhaupt nicht interessiert, oder ein Konflikt mit einem Dozenten die Motivation in den Keller treiben. Solche Situationen können auch dann auftreten, wenn man sich grundsätzlich mit dem eigenen Studienfach identifiziert und eine spätere Karriere in diesem Bereich abstrebt. Sich impulsiv für einen Abbruch zu entscheiden, verbaut möglicherweise den Weg zum Traumjob. In jeder Ausbildung und in jedem Job wird es Durststrecken geben, die man überwinden muss. Wichtig ist zu erkennen, wo das Problem genau liegt, ob es dauerhaft ist und wie es sich beheben lässt.

Probieren geht über Studieren

Wer trotz gründlicher Überlegung Zweifel hat, ob er das richtige Studienfach gewählt hat und ob ihm die Arbeit in diesem Bereich Spaß macht, sollte die Probe aufs Exempel machen. Praktika oder Studentenjobs sind eine sehr gute Möglichkeit, in die Praxis reinzuschnuppern und herauszufinden, ob einem die angestrebte berufliche Tätigkeit und das Arbeitsumfeld Spaß machen. Ein Praktikum bietet gegenüber einem Studentenjob in Teilzeit den Vorteil, über einen definierten Zeitraum kontinuierlich in die Arbeitsprozesse eines Unternehmens eingebunden zu sein und die Facetten des jeweiligen Jobs erfahren zu können.

Allerdings sind Praktika trotz Mindestlohnregelung oft so schlecht bezahlt, dass man davon nicht leben kann, besonders wenn es sich um ein kurzes Pflichtpraktikum handelt. Ein Studentenjob wiederum hilft dabei, die Miete zu zahlen. Wer nur Teilzeit arbeitet, bleibt aber leider oft auf Routinetätigkeiten sitzen. Denn wichtige Aufgaben, die oft besonders spannend sind, können nicht warten, bis die studentische Hilfskraft wieder im Haus ist. Eine Alternative ist Projektarbeit, bei der auch Studenten zeitweise eine hohe Stundenzahl arbeiten können. Sie verbinden häufig die Vorteile von Praktika und Teilzeitjobs, indem man die Gelegenheit erhält, in die betreffende Materie intensiv einzutauchen. Gleichzeitig erhalten Projektmitarbeiter eine faire Bezahlung. In vielen Fällen sorgen solche praktischen Erfahrungen und der Ausblick auf eine spannende berufliche Karriere für den notwendigen Motivationsschub, um den mitunter langen und steinigen Weg des Studiums erfolgreich zu meistern. Andernfalls erlangt man Gewissheit darüber, besser einen anderen Weg einzuschlagen und erspart sich weitere Enttäuschungen.

Wer kann helfen?

Wer sich unsicher ist, ob Praktikum, Fachwechsel oder Exmatrikulation die richtige Wahl ist, kann sich an verschiedenen Stellen kompetenten Rat holen. Erste Anlaufstelle ist die eigene Uni. Hier gibt es verschiedene Beratungsstellen: Studienberatung, Fachschaften, oder Vertrauensdozenten sind gute Ansprechpartner, wenn Zweifel an der aktuellen Situation aufkommen. Sie stellen gezielte Nachfragen und helfen so bei der Entscheidungsfindung hinsichtlich des weiteren Ausbildungsweges. Freunde und Familie können auch beratend zur Seite stehen.

Wenn am Ende die Exmatrikulation steht, gibt es ebenfalls geeignete Anlaufpunkte. Besonders empfehlenswert ist die Bundesagentur für Arbeit. Ein kompetenter Berater kennt die Möglichkeiten und kann passende Alternativen zum Studium aufzeigen.

Diesen Ansatz haben sich auch einige andere Initiativen auf die Fahne geschrieben. Da viele Betriebe große Schwierigkeiten haben geeignete Nachwuchskräfte für ihre Ausbildungsberufe zu finden, sind Studienabbrecher hier häufig willkommen. Das Karriereprogramm der Handwerkskammer Unterfranken etwa richtet sich speziell an Studienabbrecher. Ein ähnliches Programm bietet die Kreishandwerkschaft Hellweg-Lippe. Auch hier sind Studienabbrecher aller Fachbereiche willkommen. Beim Programm „Your turn“ der IHK Berlin bekommen Studienabbrecher die Chance, eine Ausbildung in den Bereichen IT, Großhandel und Immobilienwirtschaft zu absolvieren. Ein Blick ins Netz lohnt sich: Teil der Initiativen ist oft, dass sich Studienabbrecher (unter bestimmten Voraussetzungen) über eine verkürzte Ausbildungszeit freuen dürfen oder ihnen der Weg zum Meister erleichtert wird.

Allerhand weitere Tipps und Ratschläge finden sich auf studienabbrecher.com, einer gemeinsamen Initiative der Agentur für Arbeit und einigen Industrie-, Handels- und Handwerkskammern. Wie auch die Entscheidung ausfällt – das Studium unterbrechen oder abbrechen – rechtzeitig über einen Plan B nachgedacht zu haben, kann den persönlichen empfundenen Druck reduzieren und darüber hinaus neue Energie für den weiteren Ausbildungsweg freisetzen.

Julia Bellinghausen

Julia Bellinghausen hat Philosophie, Literatur- und Kommunikationswissenschaft studiert. Als Redakteurin für das univativ Journal ist sie immer auf der Suche nach neuen Geschichten rund um die Themen Studium, Berufseinstieg und Arbeitswelt.

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