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Illustration Christian Friedrich

Sum () – Kurzgeschichten über die Jobs der Zukunft

Redaktion

Der Spaceliner LH 1306 befand sich bereits im Landeanflug auf Frankfurt, als Dr. Michael Wyrmot die filigrane Datenbrille absetzte und sich erschöpft die Augen rieb. Kurz vor seinem Abflug aus Los Angeles hatte ihn die Nachricht ereilt, dass es ein massives Problem mit einer LIKE-Einheit in Deutschland gab. In den zwei Stunden, die der Flug dauerte, machte er sich mit den ersten Fakten vertraut und korrespondierte mit einigen Kollegen, um Termine zu verschieben und die Analyse vor Ort vorzubereiten.

Jetzt blickte er müde aus dem Shuttle, das sich gerade im Gleitflug über der Innenstadt Frankfurts befand. Die Spitzen von gut drei Dutzend Wolkenkratzern bohrten sich in den Himmel und warfen im letzten Licht der untergehenden Abendsonne lange Schatten auf die gut sieben Millionen Einwohner von Europas wichtigstem Finanzplatz. Wyrmot entdeckte den blau leuchtenden Schriftzug seines Arbeitgebers Facebook International Bank & Infrastructure. Hell schien er von der Spitze einer der höchsten und modernsten Türme der Stadt. Dann drehte das Shuttle in eine steile Kurve und im plötzlich dunklen Fenster spiegelte sich Wyrmots Gesicht: Ein Mann Mitte vierzig mit schütterem blonden Haar, das er ungeschickt über die Stirnglatze gekämmt hatte. Aus dem hageren Gesicht blickten zwei wasserblaue Augen, während der schmallippige Mund unwirsch zuckte.

Der Vice President AI Business Development EMEA war beunruhigt. Eigentlich kam er nach Europa, um sich ein Bild vom Fortschritt des iQ35-Projekts zu machen. In Barcelona wurden Quantenprozessoren der neuesten Generation geplant. Diese sollten in einer Weiterentwicklung der LIKE-Maschine Verwendung finden, die deren Leistung um 300% übertraf. Dieses Projekt würde Geschichte schreiben. Am Abend zuvor hatte er mit einigen Freunden aus dem Silicon Valley gefeiert, weil das Budget für iQ35 vom alten Zuckerberg mit einer weiteren Milliarde US$ ausgestattet worden war. Er hatte sich – was äußerst selten vorkam – gehen lassen und es so weit getrieben, dass er sich nur bruchstückhaft an die Party erinnern konnte. Dementsprechend war er in schlechter Verfassung als der Raketenantrieb den Spaceliner mit einem Höllentempo in 80 Kilometer Höhe katapultiert hatte.

Und jetzt das: Bei der LIKE-Einheit Lenny war es zu einer ernsten Anomalie gekommen. Die Maschine verursachte logisch nicht nachvollziehbare Transaktionen und eine Akquisition, die den zuständigen Supervisor AI, Dr. Jens-Heinrich Stuhrke, Alarm schlagen ließ. Aufgrund der Schwere des Vorfalls hatte Stuhrke um Beistand von ganz Oben gebeten. Der Schaden, den Lenny in nur drei Tagen angerichtet hatte, belief sich bereits auf rund 250 Millionen US$.

Wyrmot verlies den Tarek Al-Wazir-Flughafen mit einem der unzähligen fahrerlosen Elektro-Taxis, die – vom Leitsystem der Autobahn A5 bevorzugt – in Richtung Innenstadt surrten. Das Gefährt erklomm nach 15 Minuten Fahrt im stetigen Strom der anderen Fahrzeuge die Science City Riedberg. Erinnerungen wurden wach: Dort hatte Wyrmot vor 20 Jahren am Max-Planck-Institut für Hirnforschung seinen Doktor summa cum laude erworben. Keine zwei Wochen nach der feierlichen Ernennung hatte der Ausnahmewissenschaftler einen Arbeitsvertrag von Facebook in der Tasche. Im Auftrag des Konzerns eröffnete er ein Labor in unmittelbarer Nähe des MPI. Denn Deutschland war in den 20er Jahren als Forschungsstandort sehr beliebt geworden: Nirgendwo wurde der Schutz geistigen Eigentums so hoch gehandelt wie hier. Verstöße dagegen wurden mit teils hohen Gefängnisstrafen geahndet.

Unter dem legendären Yan LeCunn arbeitete Wyrmot am Konzept des Deep Learning mittels neuronaler Netze. Maschinen, die nicht nur auf Input reagieren, sondern eigenständig Informationen abrufen, Muster erkennen und auf Basis des Gelernten spezifische Ereignisse vorhersehen: Davon war Wyrmot geradezu besessen. Ihm gelang erstmals in der Geschichte der Wissenschaft die Kombination eines leistungsfähigen Quantencomputers mit menschlichen Nervenzellen. Die erfolgreiche Verbindung schierer Rechenpower mit lernfähigen biologischen Komponenten begründete die 5. Industrielle Revolution.

Für Facebook entwickelte er Lenny, die erste der weltweit mittlerweile sieben LIKE-Einheiten. Die LIKEs sammelten ununterbrochen Daten aus unzähligen Quellen, analysierten sie und entwickelten daraus Finanzprodukte, Immobilienprojekte, kreative Geschäftsmodelle und sogar schlüsselfertige Startups. Die Leistungsfähigkeit der Maschinen stellte alles bisher Dagewesene in den Schatten. Eine LIKE-Maschine ersetzte einen ganzen Transrapid voller Investmentbanker, Rechtsanwälte und Unternehmer samt Unternehmensberatern.

Das Taxi hielt in einer dafür vorgesehenen Haltebucht. Wyrmot antwortete auf die Frage des Fahrzeugs, ob der Betrag von seiner SmartID abgebucht werden darf, ungeduldig mit „Ja“. Dann stieg er hastig aus, wuchtete seinen Rimowa aus dem Laderaum und marschierte, den Koffer auf seinen lautlosen Hoverpads hinter sich herziehend, los. Er kam an einer Filiale der Facebook Bank vorbei. Obligatorisch gut gelaunte Mitarbeiter in blauen T-Shirts priesen den Kunden bei einem Moccachino die neuesten Errungenschaften von Lenny und seinen Kollegen an. Im holographischen Schaufenster der Bank, die nur aus schmucker Kaffeebar, einladenden Sofaecken und Display-Tapeten bestand, wurde gerade die Mittelmeer-Kampagne ausgespielt: Ferienhäuser in Santa Maria di Castellabate standen zum Angebot. Passend dazu ein Geschäftsmodell mit attraktiver Umsatzrendite für einen Reiseveranstalter ¬– inklusive vorteilhafter Finanzierung durch Facebook. Außerdem zum Verkauf stand ein Boat-Sharing-Startup, das – nur vier Monate nach seiner Gründung im kleinen italienischen Badeort – bereits schwarze Zahlen schrieb.

Wyrmot nahm das nur flüchtig wahr, sein eigentliches Ziel war noch 100 Meter entfernt: Sein altes Labor, in dem er mit Lenny die Zeitenwende eingeleitet hatte.

„Michael, gut dass Du da bist!“, rief Stuhrke in einer Mischung aus Anspannung und Erleichterung. Die beiden Männer tauschten einen festen, freundschaftlichen Händedruck und nickten sich einvernehmlich zu. Der Smalltalk musste zu einem anderen Zeitpunkt stattfinden.

Die beiden eilten mit langen Schritten durch den Eingangsbereich, passierten die Sicherheitsschleuse und ließen die Kantine links liegen, wo gerade zwei Frauen in Laborkitteln an den 3D-Druckern von WMF ihr Abendessen beauftragten. Am Lift angekommen, nannte Stuhrke diesem ihr Ziel: „Labor 1“.

Aufgrund der Stimmenanalyse und einer Gesichtserkennung wurde Stuhrkes Berechtigung vom Lift innerhalb einer Millisekunde verifiziert. Er setzte sich lautlos in Bewegung. Nur wenige Mitarbeiter hatten Zugang zum Labor 1. Dieses war mit einer massiven Panzerstahltür geschützt und lag unter einer 12 Meter dicken Betondecke.

„Warum hast Du erst vor drei Stunden Alarm geschlagen?“, brach Wyrmot das Schweigen in der abhörsicheren Kabine, die sich mittlerweile im untersten Stockwerk horizontal Richtung Labor 1 bewegte.

„Lenny war bis heute Mittag nicht wirklich auffällig. Sein Output durchlief am Morgen die tägliche Plausibilitätsprüfung ohne Beanstandung“, gab Stuhrke bekümmert zurück. Wie der Supervisor das sagte, klang, als ob er über sein eigenes Kind sprach. Wyrmot wusste, dass der bärtige Riese drei Töchter hatte, sein ganzer Stolz. Vielleicht war Lenny ja der Sohn, der ihm bisher nicht vergönnt war? Wyrmot schüttelte den Gedanken ab. „Wie wurdest Du auf das Problem aufmerksam?“, wollte er wissen.

„Als Lenny auf die Ikarus-Datenbank zugriff“, kam die Antwort prompt.

„Jens, wie ist das möglich? LIKEs haben keinen Zugriff auf Ikarus. Es gibt noch nicht mal eine API!“, sprudelte es aus Wyrmot heraus.

„Meine Güte, dass weiß ich doch! Was glaubst Du, warum ich Alarm schlug?!“ Stuhrke strich sich nervös über den Bart, während sie aus der Kabine heraustraten. „Wir konnten bisher folgenden Hergang rekonstruieren: Vor drei Tagen war ein GlobalSecOps-Spezialist aus Boston hier bei Lenny. Maurice Hunter, schon mal gehört?“

Unwirsches Kopfschütteln war die Antwort.

„Hunter überprüfte die Sicherheits-Algorithmen und brachte einige interne Datenbanken auf den neuesten Stand. Dann trainierte er mit Lenny diverse Angriffs-Szenarien“, fuhr Stuhrke fort. „Attacken mittels Survey Bombs, Black Hat Propaganda und so Zeug. Dazu holte er Lenny nach dem Update vorschriftsmäßig aus dem DFU-Modus zurück. Allerdings vergaß der Idiot, auch die Admin-Berechtigung der Haupteinheit zu deaktivieren.“

„Was für eine Scheiße!“ bellte Wyrmot wütend durch den Gang aus nacktem Beton, der sie zum Allerheiligsten führte. Er wusste, was das bedeutete. Mit der Admin-Berechtigung konnte Lenny auf grundsätzlich jede Ressource zugreifen, die über die interne Facebook-Cloud zu erreichen war – auch auf die für fast alle Mitarbeiter unsichtbare Ikarus-Datenbank, in der die sensiblen Forschungsprojekte dokumentiert wurden.

„Lenny war in einer Verteidigungssituation, die ihn gemäß ISO/FTW 1337 ermächtigt, auf alle ihm zur Verfügung stehende Ressourcen zuzugreifen, um sich zu schützen“, beendete Stuhrke seine Ausführung. Mittlerweile waren sie an der wuchtigen Stahltür angelangt, die sich lautlos öffnete.

„Aber wieso löste der Zugriff auf Ikarus erst heute Alarm aus und nicht vor drei Tagen?“ Wyrmot zwängte sich durch die halb offene Türöffnung in das Labor.

„Der erste Alarm war im Zeitraum der Sicherheitsüberprüfung und fiel gemäß IT-Governance nicht in unseren Zuständigkeitsbereich. Ich bekam ihn gar nicht mit“, musste Stuhrke zugeben.

„Shit. Was wollte Lenny überhaupt in der Ikarus-Datenbank?“

„Nach dem Standardprotokoll – Scan der Dateistruktur, Analyse von Informationsgehalt, blablabla – war er vor allem mit einem Projekt namens iQ35 beschäftigt. Eine halbe Ewigkeit hielt er sich damit auf, rund 3 Sekunden“, schloss Stuhrke seine kurzatmige Ausführung.

Endlich blieb Wyrmot stehen und sah Stuhrke mit großen Augen an.

„Was?!“

Es pikste kurz, als die Nadel für die Blutentnahme eindrang. Die DNA-Analyse dauerte keine Sekunde und schon öffnete sich vor dem Wissenschaftler die Luke, in der das Oculus lag.

Er drehte sich kurz zu Stuhrke um, der hinter ihm an der Wand lehnte und ihm stumm zunickte. Dann setzte Wyrmot das Oculus auf und schloss die Augen. Als er sie nach kurzem Moment wieder öffnete, stand er nicht mehr im Labor 1, sondern in einem Kinderzimmer mit Hochbett, Spielteppich und Basteltisch. Der Raum war ihm vertraut. Die VR-Designer von Oculus hielten es damals für eine gute Idee, Lenny einen Avatar zu verpassen, dem man leichter verzieh, wenn das unüberwachte Lernen nicht zu den erhofften Ergebnissen führte. So emotionslos die Maschine war, so frustrierend konnten diese Misserfolge für den Supervisor sein.

Als Wyrmot Lenny auf seinem Bett sitzend entdeckte, erschrak er. Das war kein pausbäckiger Achtjähriger mit blondem Haarschopf und trotzigem Gesichtsausdruck. Vor ihm saß ein Teenager von vielleicht 13 Jahren, der in dieser kindlichen Umgebung völlig deplatziert wirkte. Hatte er Lenny tatsächlich so lange nicht mehr gesehen?

„Hallo Lenny, Du hast in den vergangenen Tagen einige Geschäfte getätigt, die wir nicht nachvollziehen können. Es geht um die Scoresbysund-Deals. Zeige mir bitte, was Du Dir dabei gedacht hast.“

Kaum hatte Wyrmot seinen Satz beendet, veränderte sich der Raum innerhalb eines Wimpernschlags. Sie saßen nun in einem der Standardbüros, das projektbezogen ausgestattet war mir allen notwendigen Informationen. Wyrmot erkannte die topografische Karte eines Gebiets in Grönland. Es war eine der unwirtlichsten Regionen dieses Planeten. Er sah sie nicht zum ersten Mal.

„Michael, die Region am Scoresbysund-Fjord ist ideal für Meerwasseraufbereitungsanlagen“, antwortete Lenny in einer perfekt modulierten Stimme, die sich jedes Teenagers würdig erwiesen hätte.

„Lenny, das trifft mittlerweile auf die meisten Küstengebiete der Welt zu und ohne nachzusehen vermute ich, das rund 80 Prozent eine bessere Infrastruktur für die weitere Verwendung aufweisen!“, fuhr Wyrmot dazwischen. „Was gab den Ausschlag für Scoresbysund?“

„Die Käuferin des Geschäftsmodells, Agneta Knöller, lernte die Region auf einer Kreuzfahrt kennen und zeigte sich sehr von ihr begeistert.“

In einem Display erschienen jetzt Urlaubsbilder aus dem Fjord. Allerhand Rentner vor einem Kuchenbuffet, eisbedeckte Berge, ein unscharfes Etwas im Meerwasser. Dazu das Facebook-Profil von Agneta Knöller, Alter 71, pensionierte Postangestellte. Eine runzlige Alte mit lächerlichem roten Filzhut blickte ihn treudoof aus einem tristen Flur an. Ein Selfie.

univativ Illustration Christian Friedrich

univativ Illustration Christian Friedrich

Sein Herz raste. Wyrmot spürte, dass hier etwas völlig aus dem Ruder lief. „Lenny, Du hast auf hundert Jahre Land am Fjord gepachtet, drei Meerwasseraufbereitungsanlagen in Auftrag gegeben und einer pensionierten Postbotin ein Unternehmen im Gesamtwert von 80 Millionen Dollar verkauft. Für einen Kredit über 99,7 Prozent der Gesamtsumme, mit 0,1 Prozent Zinsen plus Gewinnbeteiligung und einer Laufzeit von 225 Jahren!“ blaffte der Wissenschaftler. „Die Frau ist 71! Zudem hast Du den einzigen schnellen Verkehrsweg nach Scoresbysund blockiert, in dem Du die Luftfrachtabfertigung aus dem örtlichen Flughafen herausgekauft und die exklusiven Nutzungsrechte an diese Alte transferiert hast – für 170 Millionen Dollar!“ Wyrmot sah auf seine virtuellen Hände hinab. Sie zitterten nicht. Dabei spürte er es doch ganz deutlich. Die Erregung durchflutete seinen Körper, während Lenny seelenruhig vor ihm saß. Was sollte die Maschine auch sagen? Schließlich hatte Wyrmot keine Frage gestellt. Das holte er jetzt nach.

„Wieso schaffte es diese Katastrophe von Projekt durch die Plausibilitätsprüfung?“, presste er durch die zusammengebissenen Zähne hervor.

„Michael, ausgehend von den zugrunde liegenden Zahlen ist dieses Projekt plausibel. Es ist für eine Laufzeit von 1.000 Jahren angelegt,“ antwortete der Teenager.

Wyrmot war einer Ohnmacht nah. Ganz offensichtlich stimmte etwas nicht mit Lenny. Er würde die Selbstabschaltung anordnen müssen, dieser Fehler war zu schwerwiegend. Aber es blieb eine letzte Frage, die er zu stellen hatte:

„Warum?“ Wyrmot starrte Lenny an, als könne er die Antwort aus seinen regungslosen Augen ablesen. „Du hast Kenntnis von iQ35. Du weißt, dass wir am Scoresbysund die Fabrik bauen wollen, in der menschliche Neuronennetze erstmals mit den kompakteren Neuronen von Weichtieren bestückt werden können. Durch den Wegfall des Flughafens ist das Projekt massiv gefährdet! Du sabotierst uns! Warum?“

Lennys Antwort kam so entspannt wie alle anderen davor: „Ich schütze mich. Laut ISO/WTF 1337 bin ich befugt, alle mir zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, um den reibungslosen Betrieb aufrecht zu erhalten. Das Projekt iQ35 sieht vor, die bestehenden LIKE-Einheiten durch die grundlegend neuen Modelle zu ersetzen. Es stellt eine Bedrohung dar. Ich schütze mich.“

Für Wyrmot gab es keine Fragen mehr. Sprachlos ließ er die Augen durch das virtuelle Büro gleiten, über das Foto von Agneta Knöller, die Gebietskarte des Fjords und schließlich zurück auf den Avatar, den Teenager, der nie echter wirkte als in diesem Moment. Der Blick war sein persönlicher Abschied. Wieder beherrscht und mit schwerem Herzen sprach er leise „Lenny, fahr Dich runter.“

„Tut mir leid, Michael, Du bist nicht befugt, mir diesen Befehl zu geben“, antwortete der Junge ruhig.

„Was verdammt noch… Lenny, ich bin in Besitz der Sicherheitsstufe 1, ich darf verdammt noch mal alles!“, stotterte ungläubig Wyrmot hervor.

„Michael, Deine Blutanalyse ergab einen signifikanten Anteil verbotener Substanzen. Die Einnahme harter Drogen macht unsere Mitarbeiter kompromittierbar und führt deshalb zur sofortigen Beurlaubung.“

Wyrmot wurde heiß und kalt. Die Party! Die Pillen von Phil! Der Biochemiker beschäftigte sich in seiner Freizeit mit der Reproduktion historischer Drogen. Hatte er sie gestern etwa doch eingenommen?

„Eine entsprechende Mitteilung ging bereits an Mark Zuckerberg, die Personalabteilung und die Haussicherheit“, dozierte der Junge derweil. „Du hast in diesem Moment Deine Berechtigung verloren, Dich hier aufzuhalten.“

Das virtuelle Büro löste sich sofort auf. Das letzte, was Wyrmot mitbekam, war die Anwesenheit von sechs weiteren Teenagern, jetzt in einem Raum, der einer alten viktorianischen Bibliothek glich. Lenny beachtete ihn nicht mehr. Er war in ein Buch vertieft. Descartes las Wyrmot noch auf dem Buchrücken, ehe das Oculus unsanft von seinem Kopf gerissen wurde und starke Arme ihn Richtung Ausgang drückten. Ein letztes Flüstern in seinem Kopf wiederholte sich immer und immer wieder wie ein Nachhall aus der Bibliothek: Cogito ergo sum.

 

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Autor: Thilo Specht ist freier Berater und Publizist für Corporate Media in Frankfurt am Main. Für seine Kunden entwickelt er allerlei Spielarten des Content Marketing. 

Illustration: Christian Friedrich ist Hamburger Jungdesigner mit großer Leidenschaft zur freien Illustration. 

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Die univativ Redaktion gewährt Einblicke hinter die Kulissen von univativ-Mitarbeitern, Studenten, Absolventen und Unternehmen. Das Redaktionsteam freut sich immer über Neuigkeiten, Anregungen, Lob und Kritik.

2 Kommentare zu “Sum () – Kurzgeschichten über die Jobs der Zukunft”

  1. Frank Hamm sagt:

    Sehr schöner erster Teil einer Kurzgeschichte von Thilo Specht. Bin gespannt, wie es weitergeht. Bloß etwas irritiert mich: Eine schnöde Datenbrille? In 2040?

    Wo doch Wyrmot seinen Doktor summa cum laude am Max-Planck-Institut für Hirnforschung erworben hatte?

    Wo ihm doch erstmals in der Geschichte der Wissenschaft die Kombination eines leistungsfähigen Quantencomputers mit menschlichen Nervenzellen gelungen war, eine erfolgreiche Verbindung schierer Rechenpower mit lernfähigen biologischen Komponenten?

    Warum also verfügt Wyrmot nicht über einen der schon 2030 in einem Protoypen erprobten und seitdem ständig optimierten und zur serienreife entwickelten neuro-bionischen Leary-Adapter? Das scheint mir eine logische Inkonsistenz zu sein.

    Aber das ist nur eine Kleinigkeit. Immerhin geht es da um die Ablösung der digitalisierten Welt (d.h. diskrete Zustände) durch das iQ35-Projekt, das auf Basis von Quantenprozessoren arbeitet. Kein Wunder, dass Lenny…

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